Wie emotional darf Politik sein, Anna Durnová?

Shownotes

„Es geht gar nicht darum, ob wir eine Emotionalisierung in der Politik zulassen, sondern wie wir sie betreiben. Wir müssen mit den Emotionen arbeiten im Sinne davon, dass wir sie reflektieren müssen. Wir können nicht automatisch sagen, das ist eine Emotion, und deshalb ist es authentisch und richtig. Wir müssen uns zutrauen, über Emotionen zu sprechen, auch Emotionen ablehnen zu können, auch Emotionen sortieren zu können.“ Die Politik ist nicht vor Emotionalität gefeit, wie auch Schreiduelle im Hohen Haus immer wieder zeigen. Sind diese ein Ausdruck davon, dass es den Beteiligten um etwas geht, oder schaden solche Emotionen der politischen Debatte? Mit Anna Durnová sprechen wir über die Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften und wie diese helfen können, Gerechtigkeit herzustellen.

Für Anna Durnová, Professorin für politische Soziologie an der Universität Wien, sind politische Emotionen stark eingebettet in unsere Sozialisierung – durch Herkunft, Gender und soziale Strukturen. Als solche prägen sie unsere Wahrnehmung von Politik. Doch die Rolle von Emotionen in der Politik hat sich stark verändert, zum einen durch die zunehmende Individualisierung, zum anderen durch die Emotionalisierung der Öffentlichkeit. Das sorgt dafür, dass oftmals individuelle Gefühle mit Argumenten gleichgesetzt werden.

Emotionen traten laut Durnová in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in die politischen Debatten ein und wurden etwa durch Bürger:innenkonferenzen, Referenden, Diskussionen in Dörfern rund um den Bau von Kraftwerken sichtbar. Neben dem Aktivismus nutzt jedoch auch der Populismus Emotionen der Bürger:innen – vielfach jedoch, um diese zu manipulieren.

Durnová plädiert dafür, sich zu trauen, über Emotionen zu sprechen. Wichtig für sie ist, dass Politiker:innen auf die Emotionen der Bürger:innen hören; diese gilt es jedoch einzuordnen – und sie dürfen auch abgelehnt werden.

**Anna Durnová **ist Professorin für Politische Soziologie am Institut für Soziologie der Universität Wien und Faculty Fellow am Center for Cultural Sociology der Yale University. Zudem ist sie Mitglied der Redaktionsbeiräte der Zeitschriften „Policy & Politics“ und „Critical Policy Studies“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften. Derzeit ist sie Konsortialleiterin des CIDAPE-Projekts (Climate, Inequality and Democratic Action: The Force of Political Emotions; Horizon Europe 2024–2027) und ist Hauptforscherin des ERC Advanced Grant LONERS (2026–2031). Im Jahr 2024 erhielt sie den Preis der Mattei-Dogan-Stiftung für europäische politische Soziologie.

_Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung

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00:00:01: Es geht gar nicht darum, ob wir eine Emotionalisierung in der Politik zulassen sondern wie wir sie betreiben.

00:00:07: Wir müssen mit den Emotionen arbeiten im Sinne davon, wir müssen die reflektieren.

00:00:12: Wir können nicht automatisch sagen das ist eine Emotion und deshalb ist es authentisch und richtig!

00:00:17: Wir müssen uns zutrauen über Emotion zu sprechen auch Emotions ablehnen zu können auch Emotsionen sortieren zu können.

00:00:31: Der Sozialkompass Ein Podcast der katholischen Sozialakademie Österreichs über gesellschaftliche

00:00:38: Herausforderungen und Lösungswege.

00:01:01: Das heißt, es könnten auch hier im politischen Betrieb mal die Fetzen fliegen.

00:01:10: Bis zu Schreiduellen gibt's im Hohen Haus.

00:01:13: Ist das eigentlich unangemessen?

00:01:15: Schadet das und schadet diese Emotionalität dem Politischen oder ist Emotionalitet und das Zeigen von Gefühlen nicht auch ein Ausdruck davon dass es um was geht?

00:01:26: Über diese Fragen, den Zusammenhang von Politik und Gefühl, Emotion wollen wir heute sprechen.

00:01:32: hierbei der Sozialkompass dem Podcast und der Sendung der katholischen Sozialakademie Österreichs.

00:01:39: Mein Name ist Henning Kling und gemeinsam mit KSÖ-Direktor Markus Schlagnitweit wollen wir die nächsten rund dreißig Minuten emotional und doch mit klarem Kopf reden.

00:01:48: Markus – Mit wem?

00:01:50: Unser Gast heute ist Anna Durnova.

00:01:53: Sie ist seit zwanzig-einundzwanzig Professorin für politische Soziologie an der Universität Wien und Fellow am Yale University Center for Cultural Sociology.

00:02:05: Vorher hat sie ein Weg vor allem über die Unis in Prag, Lyon, Montreal und Essex geführt.

00:02:12: Sie forscht zur Rolle von Emotionen im demokratischen Gesellschaften und koordiniert aktuell das internationale Projekt CIDAPE.

00:02:22: Das ist die Abkürzung für Climate, Inequality and Democratic Action.

00:02:27: Ein Projekt über die Kraft politischer Emotionen koordiniert an der Universität Wien.

00:02:33: Da möchte ich gleich beginnen oder zuerst sagen warum wir sie eingeladen haben diese ganze Auseinandersetzung mit dem Konzept von Gerechtigkeiten in unserer Gesellschaft und das im Zusammenhang mit der Frage was eigentlich sozialen Frieden fördert.

00:02:52: sind wir von der These ausgegangen, dass kaum eine Emotion den sozialen Zusammenhalt und sozialen Frieden so sehr gefährdet wie das Gefühl ungerecht behandelt zu werden.

00:03:07: Stimmt aufgrund ihrer Forschungen diese These überhaupt?

00:03:10: Und dann vielleicht die Frage gibt es da noch andere Gefühle, die beforst sind und die vielleicht ebenso ein Gefahrenpotenzial in Betrohung für soziale Frieden darstellen?

00:03:22: Ich würde Ihnen eigentlich zustimmen.

00:03:24: Ich glaube, die kurze Antwort wäre, dass es in der Politik auch um Ressourcen geht und immer mehr – auch in Zeiten von Krisen geht es um RESSOURCEN!

00:03:34: Und wer was unter welchen Bedingungen bekommt ist auch eine Frage des sozialen Gerechtigkeit oder einer politischen Gerechtigkeit.

00:03:42: Insofern macht das durchaus Sinn, dass die Gerechtigkeiten auch für uns gleichgesetzt wird mit dem Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe.

00:03:52: Gerechtigkeit ist auch etwas, die primäre Sozialisierung, die wir erfahren als Kinder und gleichzeitig gibt es in der politischen Soziologie oder auch in der Demokratie Theorie mehrere Konzepte wie Gerechtigkeiten aufzufassen ist aber über die möchte ich nicht sprechen.

00:04:09: Ich glaube das was so interessant war im Eingangsstatement ist dieses Gefühl ungerecht behandelt zu werden.

00:04:17: Darum geht es in meine Forschung.

00:04:20: Wenn wir über politische Emotionen sprechen, dann gehen wir von Anfang an davon aus dass Emotions nicht nur individuelle Gefühle sind sondern eingebettet in sozialen Strukturen In unserer Herkunft, in unserem Gender in der Art und Weise, wie wir sozialisiert sind.

00:04:40: Also was haben wir gelernt als die richtigen Gefühle in den richtigen Situationen?

00:04:46: Welche Gefühlen passen zu welchen Personen, zu welcher Situationen... Und das prägt unsere soziale Interaktion ganz stark!

00:04:54: Das prägte auch unserer Wahrnehmung von Politik.

00:04:58: Diese politische Emotion hat sich in den letzten fünfundzwanzig Jahren massiv verändert aufgrund von unterschiedlichen Entwicklungen, die zusammengekommen sind.

00:05:11: Einerseits sprechen wir in der Soziologie generell von der Individualisierung also von einer Art und Weise wie wir immer mehr individuell unserer Biografien gestalten.

00:05:22: Und das heißt zunächst dass ich quasi emanzipiert durch mein Leben alleine gehe um das selbst gestalten kann und damit auch unterschiedliche Werte empfangen kann und in mein Portfolio, wenn sie so wollen aufnehmen kann.

00:05:39: Und das bringt natürlich eine ganz andere Diskussion über Gerechtigkeit als wenn ich sage jetzt mal in kulturell homogenem Gesellschaften mit klaren sozialen Hierarchieren aufgewachsen bin wo es auch ganz klar ist wer was ist legitim zu verlangern?

00:05:56: von wem darf ich sowas verlangen?

00:05:58: wie darf ich auch miteinander kommunizieren?

00:06:01: also die Individualisierung bringt einerseits Demokratisierung der Diskussion und der sozialen Interaktion aber öffnet das auch immer mehr einen Zusammenprall von unterschiedlichen Gerechtigkeiten, wenn Sie so wollen.

00:06:14: Und dieses Gefühl ungerecht behandelt zu werden könnte man auch als dieser Zusammenstoß unterschiedliche Gerechtigkeit aufzufassen.

00:06:23: Die andere Entwicklung die aber mit der Individualisierung einhergeht und dieses Gefühl und das Ungerecht behandeln zu werden so stark macht ist eine Emotionalisierung der Öffentlichkeit.

00:06:36: Das heißt, dass unsere Gefühle – also nicht nur das Individuum und meine individuelle Biografie sondern das emotionale Wahrnehmung dieser Biographie immer stärker wiegt.

00:06:48: Und sie wird ein Argument für etwas!

00:06:51: Ich gehe diesen Weg weil ich mich so fühle.

00:06:55: Weil es sich richtig anfühlt.

00:06:57: Weil ich mir das wünsche.

00:06:59: D.h.,

00:07:00: ein Gefühl zum Teil gleich mit einem Argument gesetzt.

00:07:06: Und das bringt eine andere Art der Diskussion, da geht es nicht mehr nur darum dass wir unterschiedliche Gerechtigkeiten haben die wir ausverhandeln müssen sondern dass wir gleichzeitig diese auch gleich mit den Gefühlen und mit den Emotionen ausverhandeln müssen.

00:07:24: Henning hat in seiner Einleitung gesagt für viele Menschen wirkt Politik zunächst wie ein trockenes Geschäft.

00:07:31: Da geht es um formale Prozesse, da geht's um rationale Argumente.

00:07:36: Jetzt würde ich sagen wir erleben seit einigen Jahren eine Renaissance der Emotionalität oder eine höhere Wertschätzung der Emotion.

00:07:48: Wenn man den Blick in die Geschichte richtet war aber Politik nie emotionsfrei.

00:07:54: Die französische Revolution wäre ohne Emotionen und starke Emotionalisierung der revoltierenden Massen so nicht gelungen.

00:08:04: Sie haben absolut recht, die Emotion war immer ein Teil der Politik und gleichzeitig war das nicht eine bestimmte Wertung.

00:08:10: Wir haben sehr wohl die Emotionen in der Politik gesehen wenn es um Revolutionen geht Wenn es um soziale Bewegungen geht oder Totalitarismus und Manipulation

00:08:19: Oder auch bloße Beleidigungen von Herrschenden.

00:08:23: Das was jetzt neu ist dass wir durchaus anerkennen dass es ohne Emotsionen gar nicht geht ohne einen emotionalen Inhalt, weil Politik ist auch ein Stück weit ein Kampf ums Leben und es ist auch eine Kampf um Gerechtigkeit.

00:08:36: Es geht um mich!

00:08:37: Ich sage auch immer wieder dass wir vergessen das die Politik damit beginnt wenn wir aus der Wohnung hinausgehen oder in unserer digitalen Welt eigentlich schon davor auf dem Sofa.

00:08:49: so alle möglichen Alltagserscheinungen sind auch politische Entscheidungen gewesen.

00:08:55: Sie haben gesagt, dass traditionell die Politik als ein trockenes Geschäft beschrieben wird.

00:09:01: Und ich glaube, das stimmt insofern als wir im modernen Zeitalter mit dem Aufstieg des modernen Staats auch von den Bürokratieapparaten sprechen von politischen Institutionen die nach außen erkennbar sein müssen.

00:09:16: Also die formalen Prozesse so sehr unmenschlich sie erscheinen sind nachvollziehbar und zwar für jeden.

00:09:21: also die Idee der Bürokratie und so wie Max Weber sie auch schildert, ist ja auch wenn er ein düsteres Bild dann zu Ende schilderte.

00:09:32: Man könnte dem auch positiv was abgewinnen weil dann kann ich mich immer egal an wen wenden und die Antwort wird es immer die gleiche sein.

00:09:40: das ist ja eigentlich mit einer gewissen Gerechtigkeit verbunden.

00:09:44: Nur hat sich dann aber auch immer mehr dieses Argument der Unmenschlichkeit, der unreflektiertheit.

00:09:50: Der Alltag wäre ja doch so divers und die Realitäten von manchen Personen werden nicht berücksichtigt weil diese formalen Prozesse in weder im Sinne einer patriarchalen Gesellschaft mehr für den männlichen Teil der Gesellschaft gemacht worden sind oder für bestimmte sozialen Herkunfts-, und, und.

00:10:06: Das heißt in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert im Sinne einer partizipativen Demokratie greifen wir diese formalen Prozesse auf und sagen die müssen geöffnet werden, sie müssen sich öffnen, die müssen sich den Menschen öffnern – die Institutionen muss menschlicher sein!

00:10:21: Und damit kommen auch gleichzeitig die Emotionen.

00:10:23: Das hat man, glaube ich zunächst auch nicht so gesehen und erst dann durch diese Emotionalisierung der Öffentlichkeit und der Individualisierung sind dann plötzlich mit den Menschen auch bei diesen formalen Prozessen dann auch die Emotionen gewesen – Deliberationen, Bürgerinnenkonferenzen, Referenten, Diskussionen in in Dörfen, rund um Bau von Kraftwerken und so weiter.

00:10:45: Da hat es gemänschelt und ordentlich.

00:10:47: Und da hat man zunächst auch immer gesagt Nein das wollen wir nicht!

00:10:51: Das ist zu viel, das ist zu emotional.

00:10:53: Wir müssen zu Argumenten.

00:10:55: Gleichzeitig wissen wir aber inzwischen schon dass diese Aufteilung argumentversus Emotion es eigentlich nicht so gibt.

00:11:01: Also dieser dichotomie ist mehr eine kulturelle Annahme über die wir unser politisches Leben organisieren.

00:11:09: Wenn wir sagen, dass etwas zu emotional ist oder Emotion ist, dann wollen wir das eigentlich eher delegitimieren – eigentlich von dem Prozess

00:11:16: wegnehmen.".

00:11:17: Das was Sie jetzt schildern kann man zusammenfassen, das ist das Erwachen der Zivilgesellschaft und die Reflektion der Zivilgesellschaft unsagen.

00:11:27: Wir sind ein politischer Player Und wir sind nicht nur vor politischer Raum, wie in der Zivilgesellschaft.

00:11:33: Sondern wir können politisch wirksam werden!

00:11:36: Das ist auch das was ein Stefan Esel in seinem Essay dann relativ stark rezipiert wurde empört euch... Der Jugend zugerufen hat.

00:11:44: also empört Euch und macht damit quasi Politik.

00:11:48: Meine Frage wäre jetzt Was wird zuletzt erlebt haben?

00:11:51: Das Stichwort Klimaaktivismus oder überhaupt Aktivismus?

00:11:55: Ist der Aktivismus die nächste Evolutionsstufe von politischer Emotion eigentlich, weil das was wir eben beschrieben haben dass ich mich emotional einbringe am Dorf.

00:12:07: Dass sich diskutiere aus in hitzigen Debatten Das bleibt trotzdem.

00:12:11: Ich habe einen Gefühl eine Emotion und diskutiere dann Die nächste Stufe wäre jetzt.

00:12:17: das ist jetzt meine These oder die Frage Ist der Klima Aktivismus etwas?

00:12:20: Der sagt Wir setzen aktive Zeichen Und wir wollen diese Emotionen bei euch Bei den anderen erwecken.

00:12:28: Wir wollen, dass ihr selber spürt worum es uns geht.

00:12:31: Ist das eine andere Form politischer Emotionalität?

00:12:35: Es gibt unterschiedliche Formen von politischer emotionalität und die sozialen Bewegungen und die Aktivisten verwenden unterschiedliche Taktiken.

00:12:43: Und das was sie jetzt beschrieben haben also wir wollen auch die Emotionen bei Ihnen auslösen.

00:12:50: Das ist zum Beispiel die klassische emotionale Logik eines Streiks, also ein Streik muss total sein, der muss wehtun und das System angreifen.

00:12:58: Die Idee dahinter ist dass die Schwachen in dem System sich nur durch die Systemschwächung wehren können und so würde ich jetzt sehr generalisierend auch die These aufstellen, dass der Klimaaktivismus genau das oder sich genau um das bemüht nämlich das System als solches anzugreifende.

00:13:15: Was im Fall von Klimaaktivismus so speziell ist, ist auch diese teilweise Unvorstellbarkeit von Klimakräsen und von dem was es eigentlich bedeutet.

00:13:24: Und da wissen wir aus unserer Forschung in dem CIDAPE Projekt dass es durchaus aktive explizite Diskussionen innerhalb der Klimabewegungen gibt wie man damit umgeht und das es auch durchaus Diskussionen gibt über die einzelnen Taktiken und dass wir auch sagen können, dass durchaus auch reflektiert wird, dass vielleicht die Empörung zu groß ist Oft, um eine Balance geht.

00:13:46: Wie machen wir die Sache endlich sichtbar?

00:13:49: Wenn wir einen friedlichen Protest machen oder einen Lauf durch die Stadt dann denken die Menschen es ist noch immer okay dass das einfach zu wenig.

00:13:58: also wie sollen wir die Radikalität dessen was auf uns zukommt in Ausdruck bringen ohne eine Empörung und eine Negativität auszulösen.

00:14:05: Also sie sind sich dem durchaus bewusst, wenn man so ein bisschen weitergeht – in Österreich glaube ich nicht so stark rezipiert.

00:14:13: aber in Ländern wie Tschechien oder auch Deutschland gab es dann durchaus Bewegungen die im Sinne dieses Systemangriffs auch sehr körperlich anstrengende Proteste gemacht haben, dass die Bewegung Ende Gelände in Deutschland oder eben auch die Limits sind wir, das war in Tschechin dann in die Kohlenkraftwerke hineingegangen und diese haben gestoppt.

00:14:34: Und man kann sich so was hassen, aber es hat das mit einer Diskussion zu tun.

00:14:37: Ich glaube wir müssen die Diskussionen der Politik auch mehr... Also breiter Sehen.

00:14:42: Es gibt die politischen Tische, es gibt die formalen Prozesse und dann gab's... Ich fand das sehr schön was sie gesagt haben den vorpolitischen Raum.

00:14:49: Und dieser vorpolitische Raum ist eigentlich die letzten zehn fünfzehn Jahre sehr wichtig geworden.

00:14:54: Warum?

00:14:55: Weil da schon Konditionen gemacht werden wer überhaupt an dieses politische Tisch kommt Wer überhaupt repräsentiert und unter welchen Bedingungen Und gleichzeitig ist dieser vor-politischer Raum zu einem sehr großen Teil also zu in das digitale Raum ausgelagert, womit wir dann in Echtzeit mit allen über alles diskutieren können.

00:15:18: Das heißt die Politiker können sich gar nicht mehr den Luxus leisten, das trockene Geschäft zu betreiben weil sie eigentlich ständig auf etwas reagieren müssen und ständig unter Beschuss

00:15:27: sind.".

00:15:29: Jetzt kann man diese Emotionalisierung des politischen Positivteuten wie wir das so im gemacht haben am Beispiel der des Klimaaktivismus, also da steckt ein ganz ehrliches Anliegen dahinter wahrscheinlich auch ein objektiv und anführungszeichen wissenschaftlich belegbares Anliegender hinter.

00:15:49: Und die Emotionalisierung ist ein Instrument um Menschen in Bewegung zu bringen und für dieses Anliege sozusagen zu sensibilisieren.

00:15:58: auf der anderen Seite arbeitet mit dieser Emotionalierung das politischen den ganzen Bereich des Populismus Und da wird es dann wieder unproblematisch, weil wir wissen dass Gefühle wahrscheinlich stärker manipulierbar sind als die Gegenseite im Direktionalität.

00:16:17: Wie wäre ein Politikstil?

00:16:19: oder was wäre wünschenswert für gute Demokratieentwicklung?

00:16:24: Dass man sozusagen mit indem man den Raum für Emotionen öffnet nicht zugleich in die Gefahr gerät das System selber sozusagen zum Kippen zu bringen.

00:16:35: Die kurze Antwort, die ich Ihnen geben könnte ist, dass genau das der Fokus ist eine politischen Soziologie der Emotionen.

00:16:41: Die versucht die Emotion einzuordnen und zu verarbeiten und sich genau diese Frage zustellen.

00:16:46: Es geht nämlich gar nicht darum ob wir eine Emotionalisierung in der Politik zulassen sondern wie wir sie betreiben.

00:16:53: Denn was wir sehen im Aufstieg des Populismus ist ja eigentlich... Das hat einen Hintergrund.

00:17:00: Und der Hintergrund ist, dass eben diese trockenen formalen Prozesse und die etablierten Parteien diese politische Emotionalisierung zunächst nicht zulassen wollten.

00:17:11: auf die Gefühle des Ungerecht behandelt zu werden nicht reagiert haben.

00:17:17: Und die einzigen, die das getan haben zunächst in den neunziger Jahren waren die Populisten und immer mehr haben sie dann natürlich auch noch mit dem digitalen Zeitalter ein an Stimmen bekommen und immermehr quasi können Sie diesen Wunsch nach Emotionalität erfüllen.

00:17:36: Sie sind aber nicht die einzigend, die es erfülle können.

00:17:39: Also was wir auch oft in der politischen Soziologie sagen, ist dass die Begriffe der Emotionen und der Politik wurde von den Populisten weggenommen.

00:17:48: Und eigentlich sollte sich die Demokratie den Begriff der Emotion zurückholen.

00:17:53: Damit komme ich zu dem zweiten Teil der Antwort.

00:17:56: Und das ist ja genau der Kern des Problems, dass Sie beschrieben haben.

00:17:59: Wenn wir dann nämlich sagen okay die Demokratie muss einen Emotionenbegriff etablieren und zwar in sich selbst in ihrer Art und Weise wie sie kommuniziert, wie sie Entscheidungen trifft und wie sie das Zusammenleben steuert, dann merken wir, dass es gar nicht so einfach ist.

00:18:13: Dass es viel einfacher ist zu schreien und zu sagen Das gefällt mir nicht, das will ich nicht und das negative durchzuleiten.

00:18:20: Wir wissen auch von der kognitiven Wissenschaft beziehungsweise von der Psychologie auch eine mehrfach beschriebene Tatsache.

00:18:28: Wir sind als Wesen mehr sensibel auf negativen Emotionen, das hat mit unserem Überleben zu tun.

00:18:34: natürlich müssen wir unsere Angst ernst nehmen.

00:18:38: Natürlich müssen wir das negative ernster nehmen ein Stück weit als das Bequeme weil wir müssen überleben.

00:18:43: also wir mussten überleben dass heißt wir sind auch die Überlebenden von denen die genau das getan haben quasi deshalb auch aktiv der Gegensteuern.

00:18:53: Wir müssen bei der Informationsverbreitung davon ausgehen, dass die negativen Nachrichten sich schneller verbreiten werden als die positiven.

00:19:01: Das heißt, die negativen Gefühle werden sich schneller verbreiten als die Positiven.

00:19:05: Wir dürfen uns nicht zurückländern und sagen ist halt so versuch was mit Fakten sondern einfach eine Emotionsarbeit leisten und versuchen zu reflektieren.

00:19:15: also wir können auch sagen Da, wo wir jetzt gelandet sind so schmerzhaft das ist und so unübersichtlich und hochemotional.

00:19:22: Das ist die erste Stufe von dem, dass wir... Wo wir weitergehen sollen?

00:19:27: Das Problem ist aber, dass Wir eigentlich genau das sehen, diese Unordnung.

00:19:31: Also wir sitzen hier in dieser wunderbaren Bibliothek Und wenn wir diese Bibliothek jetzt umordnen wollen würden Dann wäre die in der ersten Stufe nicht eine schönerer Bibliotek sondern ein kompletter Chaos.

00:19:43: könnte es passieren, dass jemand kommt und sagt was?

00:19:45: Das soll jetzt die neue Ordnung sein.

00:19:47: Gebittert das würde ich nicht weg damit!

00:19:49: Und genau das ist jetzt auch die Zeit wo wir sind.

00:19:52: Wir reden über die Gefühle – das ist an und für sich gut – aber wir bleiben in diesem Stadium, wo alle Bücher aus dem Regal sind und alles irgendwie um.

00:19:59: wir stappeln drüber und dann kann man das bitte wieder dahin geben, wo's gehört.

00:20:04: Aber den Weg gibt es nicht mehr aus mehreren Gründen.

00:20:06: Das heißt, wir müssten eher das aushalten und denken okay wie bringen wir diese neue Ordnung her?

00:20:11: Was heisst dass das Emotionen ein Teil der demokratischen Diskussion

00:20:14: sind?

00:20:14: Aber welche Leitfaden können Sie denn in Ihrer Forschung für die Neuformatierung zur Hand geben?

00:20:23: also ist Ihre Forschung rein diskriptiv die beschreibt, was den Status quo betrifft.

00:20:29: Also dass diese Bibliothek gerade auseinandergenommen wird und das Chaos da ist.

00:20:33: oder gibt es tatsächlich Leitfäden, die sich aus ihrer Forschung destillieren lassen?

00:20:38: In der sozialwissenschaftlichen Forschung, die ich mache, gibt's grob gesagt zwei Möglichkeiten.

00:20:45: Eine ist die Beschreibung wo man sagen würde, dass auch eine dichte Beschreibung eigentlich schon einen Analyser ist.

00:20:53: Weil damit greife ich auf was fehlt und was wo ist.

00:20:57: Aber gerade in großen europäischen Projekten und auch in den Zeiten von participativer Forschung und Demokratieforschung wollen wir auch Leitfäden herstellen oder wollen wir uns auch überlegen – Was können wir aus dieser Beschreibungen, aus dieser Analyse holen?

00:21:13: Also wir in dem Projekt sprechen mit Menschen unterschiedlicher Art, also mit Managern im Schnee-Tourismus.

00:21:19: Mit Leuten die gegen Windkraftwerke sind, mit Aktivisten und die erzählen – mit Winzern!

00:21:26: Die erzählen vom Klimawandel, vom Alltag.

00:21:28: Und aus diesen Erzählungen gibt es Gefühlslagen Und die Analyse besteht darin, dass ich das einordne zunächst und sage warum ist es so?

00:21:38: Wie kann ich diese Erzählung verstehen.

00:21:40: Aber in einem zweiten Schritt ist es natürlich was kann ich aus diesen unterschiedlichen Erzählungen herholen für einen besseren demokratischen Prozess.

00:21:48: Das, was sich bereits jetzt sagen kann in der Mitte des Projektes ist, da es erstens kein Weg zurückgeht also Fakten sind nicht die Lösung Und das Zweite ist, wir müssen mit den Emotionen arbeiten im Sinne davon.

00:22:01: Wir müssen die reflektieren!

00:22:03: Wir können nicht automatisch sagen, dass es eine Emotion ist und deshalb ist es authentisch und richtig – wir müssen uns zutrauen über Emotion zu sprechen auch Emotions ablehnen zu können, auch Emotsionen sortieren zu können vielleicht in mancher Hinsicht ein Stück weit eben auch die Emotion und Gerechtigkeit miteinander zu verbinden damit Gerechtigkeit hergestellt wird, manche Emotionen im Hintergrund bleiben.

00:22:32: Vielleicht ist es auch die Art und Weise wie wir dann mit den Emotsionen arbeiten?

00:22:36: Weil wenn ich das Beispiel der Klimakrise nehmen, dass größter politischer oder auch soziale Problem der Klima-Krisis ist, das wird nicht so gehen bis jetzt.

00:22:48: Es wird ungerecht werden!

00:22:50: Wir müssen eigentlich nur einen guten Weg finden, wie wir weiter miteinander zusammenlitten wollen.

00:22:57: Wenn wir uns die Regionen anschauen, die bereits betroffen sind – da gibt es keinen zurück!

00:23:02: Da werden nicht die Jobs wieder geschafft.

00:23:04: Da muss eine Transformation stattfinden und diese gesellschaftliche Transformation wird ohne Gefühle nicht stattfinden.

00:23:11: Und sie muss daher die Gefühlen mit einnehmen, reflektieren, mit denen arbeiten und dann auch sich zutrauen zu sortieren.

00:23:21: Können wir leisten und was kann nicht geleistet werden?

00:23:23: Auf welche Emotionen muss verzichtet werden.

00:23:27: Wir sind uns wohl einig, dass Politikerinnen gut beraten sind, Emotions in der Zivilgesellschaft ernst zu nehmen.

00:23:38: Sie haben aber zugleich gesprochen davon mit Emotion muss gearbeitet werden das heißt auch sie zu sortieren könnte ein Kriterium sein.

00:23:47: ich greife jene Emotion positiv aus auf wo ich dahinter so etwas wie Sorge um das Gemeinwohl identifizieren kann und ich nehme jene Emotionen nicht ernst, aber ich nehme sie nicht als positives Instrument für eine politische Tätigkeit.

00:24:10: Wo ich sage da geht es nur um individuelle Bedürfnislagen ohne Blick auf das Gemeinsame

00:24:19: Verantwortung ist ein Element der Politik, dass wir auch immer wieder vergessen.

00:24:23: Dass die Politiker in eine Verantwortung sind.

00:24:26: das heißt wenn ich sage sie sollen auf die Emotionen der Bürgerinnen und Bürger hören heisst es nicht, dass sie ihnen automatisch alles erfüllen sollen.

00:24:34: aber Sie sollen schon hören, dass die Leute wütend sind um dann damit arbeiten, dann das einordnen.

00:24:40: Aber was wir haben sind entweder nicht hören oder bedingungslos akzeptieren Und das ist beides falsch.

00:24:45: Das führt uns nicht in die Demokratie, aber wir müssen – und das meine ich mit dem Zutaten so – wir müssen uns trauern über die Emotionen zu sprechen und dann die eben zusatieren.

00:24:57: Wir haben uns angewöhnt am Ende eines Podcasts immer danach zu fragen gibt es ein zwei drei ganz konkrete Tipps, Ratschläge für unsere Hörerinnen wie sie Emotionen im Feld des politischen umgehen sollen, damit es ein konstruktiver, demokratiefördernder Gesellschaftsgemeinwohl fördernder Umgang wird.

00:25:28: Ich gebe manchmal einen Tipp wie man die Politik wahrnehmen kann als Leser oder Zuschauer und der Tipp ist emotionen sind immer mit einem Kontext da.

00:25:44: Und das ist aber nicht immer sichtbar und ich sage immer versuchen Sie das nächstes Mal, wenn sie eine Emotion sehen diese einzuordnen.

00:25:52: Wie wäre es, wenn das jetzt ein männlicher Politiker wär?

00:25:56: Und nicht eine weibliche Politikerin.

00:25:58: Wie wäre es, wenn diese Politik jetzt links wär und nicht rechts?

00:26:01: Würde ich das genauso wahrnehmen oder würde ich das anders wahrnehmen?

00:26:05: Wenn der Alt- oder Jungwärts also unterschiedlicher Kontextkomponenten umzusehen ist es vielleicht nicht so dass die Emotionen, die ich gerade wahrnehme auch damit zusammenhängt wer sie hat und welche Position sie hat wie ich diese Person, wie ich generell zu dieser Person stehe?

00:26:21: Und das Gleiche dann auch mit Ereignissen, die wir erleben und die auch mit Emotionen berichtet werden und begleitet werden.

00:26:28: Da finde ich es immer gut dieses Spiel zu machen so ein Umkehrsspiel weil ich finde dass dadurch auch diese Plastizität der Emotion offenbart wird.

00:26:37: Also ist es, dass die Wut dieser Protestierenden mich empört weil ich eine andere Meinung bin.

00:26:44: oder was könnte der Grund sein?

00:26:47: Der zweite Typ und er wird sich vielleicht jetzt sehr Konträr anhören zu dem, was ich bis jetzt gesagt habe.

00:26:53: Wenn ich sage dass Emotionen wichtig sind... Ich glaube in den heutigen Zeiten ist es auch ganz gut kurz innezuhalten und sagen muss mich das jetzt beschäftigen?

00:27:03: Was gerade da passiert?

00:27:04: oder kann ich mich einfach zurücklehnen und die tausend anderen Sachen machen, die ich eh machen muss?

00:27:09: Weil ich glaube diese Zurücklehne nicht im Sinne einer Rücksichtslosigkeit aber im Sinne sich vielleicht ab und zu eine Pause zu geben.

00:27:17: Ich glaube, das würde uns mittelfristig sehr gut tun emotional.

00:27:22: Vielleicht auch im Bereich Social Media den wir nur gestreift haben.

00:27:26: kurz.

00:27:27: Genau!

00:27:28: Vielen Dank für dieses Gespräch Anna Donova Und wir hoffen, dass Sie positive Emotionen bei diesem Gespräch gespürt haben und uns daraus hervorgehend auch weiter empfehlen.

00:27:39: Und die nächsten Folgen auch hören oder die vorherrigen Folgen alle gibt's zum Nachhören nachlesen.

00:27:45: Reinschauen auf ksoe.at.

00:27:48: slash Podcasts.

00:27:49: Vielen Dank fürs Zuhören, sagen Henning Klingen.

00:27:52: Markus Schlagnitweit

00:27:53: Und ich möchte mich auch noch bedanken und möchte nur sagen, die Bibliothek sieht wunderschön aus.

00:27:59: sie braucht keine neue Ordnung.

00:28:00: Danke für die Einladung.

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